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Das Exoskelett ersetzt die Beine

Duisburg. BG Unfallklinik: Die Sektion für Rückenmarkverletzte betreut pro Jahr 300 Patienten. Elektronisch gesteuerte Anzüge ermöglichen Querschnittsgelähmten zu gehen.

Die Schritte von Thomas Binder sind noch ein wenig staksig. Den 25-Jährigen ficht das nicht an. „Geht schon gut“, sagt der Student, der seit einem Motorradunfall im Juli 2014 querschnittsgelähmt ist. Was sein Körper nicht mehr kann, übernimmt die Technik: Binder steckt in einem so genannten „Exoskelett“. Solange Heilung von kompletten Querschnittlähmungen nicht möglich ist, ermöglichen die Anzüge den aufrechten Gang.

Das rund 25 Kilo schwere Stützkorsett mit Gelenken in Höhe der Knie und Füße umschließt die Hüften und die Beine von Thomas Binder. „Darin stecken Sensoren, die einen Schritt des rechten Beins auslösen, wenn ich mich nach links neige – und umgekehrt“, erklärt er Barbara Steffens beim Besuch der NRW-Gesundheitsministerin in der Sektion Rückenmarkverletzte der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) in Buchholz.

Rund 300 Patienten behandelt und betreut das Team von Dr. Stefan Hobrecker dort pro Jahr. Es ist eines von wenigen Zentren dieser Art im Lande und Anlaufstelle für Patienten mit Rückenmarkverletzungen in der Region Rhein-Ruhr. Um die bestmögliche Versorgung sicherzustellen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, kommt im Therapie-Zentrum der BGU modernste Technik zum Einsatz. „Seit Mitte 2013 gehören auch die Exoskelette dazu“, erklärt Patrick Thoenes, Physiotherapeut in der BGU. Zusätzliches Aufbautraining sei nicht notwendig, erklärt er: „Das Gestell trägt sich selbst.“ Komplizierter als es zunächst scheint, ist allerdings die Steuerung. Obwohl Unterarmstützen den Patienten Halt geben, bleibt die Bewegung so lange eine kippelige Angelegenheit, bis der Nutzer sich mit der Steuerung vertraut gemacht hat. Die Bewegungen kann er über eine Fernbedienung am Handgelenk oder an den Griffen seiner Stützen steuern oder aber durch die Sensoren im Exoskelett, die auf Neigungen reagieren. „Im Moment ist es noch ein reines Therapiegerät“, erläutert Patrick Thoenes.

Als Sicherung steht er hinter den Patienten – auch auf der Rückseite an der Batterie, die Strom für 1000 Schritte speichert, kann er per Knopfdruck das Gerät steuern. Miroslav Asenov, auch er ist querschnittsgelähmt, trägt ein Gerät des US-Herstellers Ekso Bionics. 413 479 Schritte zeigt der Zähler an. Jeder ist einer auf dem Weg zurück in das Leben vor der Verletzung. Vom israelischen Hersteller ReWalk stammt das Exoskelett von Thomas Binder. Auf einer Messe hat der 25-Jährige Kontakt zur Firma geknüpft, die ihm das Gerät nun zur Nutzung überlassen hat. „Ich mache jetzt so eine Art Langzeittest“, grinst der Student.

Solange Heilung nicht möglich ist, gehört den Geräten die Zukunft, meint Therapeut Thoenes: „Sie werden sich weiterentwickeln.“ Thomas Binder hat seinen nächsten Schritt schon geplant: Sein ReWalk kann auch Treppen steigen.


Autor: Martin Ahlers
Datum: 03.02.2016
Foto: Alexandra Roth
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