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Wenn Gelähmte wieder laufen

Aufstehen und loslaufen: Was für die meisten selbstverständlich ist, ist für Dirk Janzen immer noch ein Wunder. Seit einem Unfall ist der 43-Jährige querschnittsgelähmt. Dass Janzen nun wieder laufen kann, verdankt er einem Exoskelett, das ihm die schrittweise Rückkehr in ein normales Leben ermöglicht. 

Um vom Rollstuhl auf das Exoskelett umzusteigen, braucht Janzen zehn Minuten. Danach hält der Akku vier Stunden. Vier Stunden, in denen der Bochumer wieder auf Augenhöhe mit seinen Mitmenschen kommunizieren kann. Vier Stunden, in denen er sich wieder ohne Hilfe fortbewegen und sogar Treppen überwinden kann.

Für Janzen ist das immer noch ein Wunder. Im Mai 2009 verändert ein Motorradunfall sein Leben von jetzt auf gleich. Janzen verliert ein Bein, liegt mehrere Monate im künstlichen Koma. Danach ist klar: Er ist querschnittsgelähmt und wird nie wieder laufen können. Er hat „so ein großes Glück gehabt“, dass er nicht gestorben ist, sagen die Pfleger.

 

DAS EXOSKELETT
Mit dem Exoskelett ermöglicht die Firma „Rewalk Robotics“ Menschen mit Querschnittslähmung das Laufen. Mehr als 400 Patienten nutzen das System mittlerweile in Deutschland. Mit Kosten von etwa 64.000 Euro ist es für viele Querschnittsgelähmte zwar unerschwinglich. Dank eines Gesetzes haben Patienten in Deutschland aber Anspruch auf einen unmittelbaren Behinderungsausgleich. Ein Gerichtsurteil aus dem Mai bestätigte erstmals, dass das Exoskelett einen solchen Ausgleich darstellt.

 

Exoskelett überwindet auch Hindernisse

Doch auf den Rollstuhl angewiesen zu sein, fällt dem ehemaligen Maurer und Betonmeister schwer. Janzen, früher so selbstständig, will wieder laufen lernen. Und tatsächlich: Mit dem Exoskelett gibt es eine Technik, die seinen Traum in Erfüllung gehen lässt.

Im vergangenen Jahr macht Janzen erste wackelige Schritte mit dem Gerät. Über ein Armband steuert er mechanische Beinschienen, die mit Gurten an ihm befestigt sind. Per Knopfdruck richtet sich das Exoskelett auf und Janzen kann wieder laufen. Tag für Tag trainiert er mit einem Physiotherapeuten. Heute schafft er 2,6 Kilometer pro Stunde und früher unüberwindbare Hindernisse wie Treppen.

 

Glücksgefühle bei Janzen

„Für mich sind das einfach Glücksgefühle, wieder aufrecht zu stehen“, sagt Janzen. „Nicht wie ein Kind nach oben zu gucken, sondern wirklich auf Augenhöhe zu sein.“ Auch mit seiner Frau spazieren zu gehen und den Kindern zu zeigen, wie groß ihr Papa sei, habe ihm viel von der früheren Lebensqualität zurückgebracht. Für die Zukunft wünscht sich Janzen, dass das Exoskelett auch ganz dezent unter der Kleidung tragbar ist. Er glaubt daran, dass auch diese technische Entwicklung als ein weiterer Schritt in ein normales Lebens kommen wird.

02.10.2016, Quelle: 3sat nano


Autor: 3sat nano
Datum: 02.10.2016
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