Roboter ermöglicht Gelähmten das Gehen

Neue Hoffnung für Querschnittsgelähmte: Seit einem Motorradunfall vor sechs Jahren ist Dirk Janzen auf den Rollstohl angewiesen. Das Robotiksystem „Rewalk Exoskelett“ ermöglichte es ihm nun, über die Hohenzollernbrücke zu laufen. Von Ulrike Weinert

Rewalk-Robotics-Keolnische-rundschauZu Fuß trotz Querschnittlähmung über die Hohenzollernbrücke: Der 41-jährige Olaf Schepp sitzt seit einem Unfall im Mai 2007 im Rollstuhl. Nun gehört er zu den Pionier-Nutzern der neuen Technik „Rewalk“, die ihm bis zu vier Stunden Gehen ermöglicht.  Foto: Schmülgen

Köln. „Es ist ein tolles Gefühl, wieder gehen zu können und die Welt auf Augenhöhe mit anderen zu erleben“, sagt der querschnittsgelähmte Dirk Janzen. Das Robotiksystem „Rewalk Exoskelett“ ermöglichte es ihm am Donnerstag, über die Hohenzollernbrücke zu laufen. Sonst ist der 41-jährige Handwerksmeister und Familienvater seit einem Motorradunfall vor sechs Jahren auf den Rollstuhl angewiesen.

Eine Gruppe von Nutzern des computergesteuerten Gehapparats, der einem Skelett ähnelt und um den Körper geschnallt wird, hat die Firma „ReWalk Robotics“ am Rheinufer zusammengebracht. Öffentlich führten sie die neue Technik für Rückenmarksverletzte bei einem Gang über die Hohenzollernbrücke vor.

Firmenangaben zufolge sind Krankenkassen inzwischen verpflichtet, Querschnittsgelähmten das 52 000 Euro teure Gehsystem zu bezahlen. Auf dem Markt ist es seit 2012. Erfinder ist der selbst gelähmte israelische Arzt Amid Goffer, der 1999 mit der Entwicklung begann.

„Wenn Querschnittsgelähmte sehen, dass es Möglichkeiten gibt, wieder laufen zu können, gibt ihnen das Mut für ihr Leben mit der Behinderung“, weiß Regionalverkaufsleiter Matthias Kurz. In einem Rucksack befindet sich der Computer, der den motorenbetriebenen Gehapparat über Bewegungen des Oberkörpers steuert. „Neigungssensoren geben den Impuls für Schritte“, erklärt Rewalk-Europamanager John Frijters. „Für Anwender ist das wie Fahrradfahren, sie müssen lernen, in dem System das Gleichgewicht zu halten“, so Frijters weiter.

Nutzbar ist das Hightech-Außenskelett für Querschnittsgelähmte von einer Körpergröße zwischen 1,60 und 1,90 Meter. Sie müssen über gesunde Hände, Arme und Schultern verfügen, denn fürs sichere Gehen sind Krücken unentbehrlich.

ReWalk Robotics präsentiert das Exoskelett-System heute Abend von 17 bis 21 Uhr in den Balloni-Hallen am Ehrenfeldgürtel 88.

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